Bericht 68

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27.04.2002,
Imke Wehrend aus Linden-Nord hat uns am 25.04.2002 einen vierten Brief geschrieben:

Der 11. September 2001

zu Teil 1+2
Teil 3

Wie ihr ja alle wisst, bin ich schon seit letztem August in den Staaten. Also musste ich auch die ganzen schrecklichen Ereignisse vom September miterleben.
Der Tag begann fuer mich wie jeder normale Tag: fruehes Aufstehen und mit dem Bus in die Schule fahren. Es war ein ganz normaler Dienstag und mein 6. Schultag in der neuen Schule, dem neuen Schulsystem und der neuen Umgebung. Meine erste Stunde Bio verlief ganz normal. In der Pause wurde eine Durchsage gemacht, dass alle Lehrer den Fernseher anschalten sollen. Ich habe diese Durchsage allerdings nicht hoeren koennen, da es auch hier in den Schulen waehrend der Pausen sehr laut in den Fluren ist.
Als ich zu meiner zweiten Stunde kam, war der Fernseher an, auf normalem Programm und nicht der "Roseville Anouncement Channel", wie sonst. Meine Lehrerin sass in ihrem Stuhl und hatte Traenen in den Augen. Ich sah die Bilder von New York und dem World Trade Center. Die ganze Stunde ueber haben wir die News gesehen und die exklusiven Berichte live aus New York.
Es passierte in meiner zweiten Schulwoche. Ich habe nicht verstanden, worueber im Fernsehen geredet wurde. Mein Englisch war solchen hektischen, erschrockenen und weinenden Stimmen noch nicht geruestet.
Ich habe nur so viel wie: World Trade Center, New York, Abstuerzen, Flugzeuge, Attacke und Entfuehren verstanden. Ich war ratlos und wusste nicht, was los war. Fragen wollte ich auch nicht, denn alle von uns sassen nur in ihren Stuehlen, den Kopf dem Fernseher zugedreht und manche haben geweint.
Ca. eine halbe Stunde bevor die Schulstunde zu Ende war, kam der schrecklichste Moment, der eine ganze Nation erschuetterte und den Atem vieler Menschen zum Stehen brachte. Das zweite Gebaeude stuerzte komplett zusammen. Alles war still, keiner sagte etwas, nur der Reporter im Fernseher sagte: "Oh my God, that is unbelievable!!!"
Stille fuer mindestens drei Minuten. Es war schrecklich. So viele Menschen waren am schreien, weinen, viele Menschen liefen umher, ratlos, verwirrt und verzweifelt.
Ich wusste immer noch nicht genau, was geschehen war. Eines war mir jedoch klar war: Ich moechte so schnell wie moeglich nach Hause. Jedoch musste ich mich noch mindestens vier Schulstunden gedulden.
In meiner dritten Stunde haben wir weiter nur zum Fernseher gestarrt, alles verfolgt und auf Neuigkeiten gewartet. Allerdings kam nicht mehr viel. Das war auch der Grund weshalb wir "normalen" Unterricht hatten fuer die letzten drei Stunden, allerdings konnte sich keiner wirklich konzentrieren. In meinem Historykurs haben wir ueber unsere Gedanken geschrieben und dann war der Schultag endlich zu Ende.
Als ich nach Hause kam, hatte meine Gastmutter auf mich gewartet, damit ich nicht alleine war. Inzwischen wurden alle Shoppingmalls und Geschaefte zugemacht und man konnte so gut wie kein Auto mehr auf der Strasse fahren sehen. Alle Menschen waren zu Hause, geschockt von allem, was passierte.
Meine Gastmutter versuchte mir alles zu erklaeren, aber ich war nur verwirrt. Es war einfach zu viel Information auf einmal.
Ich hatte allerdings immer noch nicht verstanden. Als ich dann meine e-Mails gecheckt habe und meinen Eltern schreiben wollte, habe ich schon mindestens 15 Mails von zu Hause bekommen und alle mit Betreffen wie: "New York", "Ich habe Angst", "Geht es dir gut", "Ich hoffe du bist in Minnesota" und so weiter.
Das war dann zu viel fuer mich. Ich hatte einfach solche Angst, denn das Land, das fuer ein Jahr mein Zuhause sein sollte, wurde attackiert! Ich konnte nicht mehr, ich musste einfach weinen. Ich habe dann meine Eltern angerufen und endlich hat meine Mutter mir verstaendlich erklaert, dass die USA von Afghanistan angegriffen wurde. Das Telefonat entpuppte sich allerdings als eine Heulaktion. Ich habe geweint und ich glaube auch meine Eltern.
Die darauffolgenden Wochen konnte ich jedoch den groessten Nationalstolz erleben, wie ich es mir nie ertraeumt haette. Ueberall Flaggen auf Halbmast, jeder trug rot, weisse und blaue Klarmotten und zwei Tage spaeter wurden Shirts verkauft mit "United we stand" aufgedruckt.
Ich glaube, wenn ich so zurueckblicke, dann waren das die schlimmsten und haertesten Tage in meinem Austauschjahr, aber auch die besten, weil ich denke, dass ich am meisten ueber Amerika und die Amerikaner gelernt habe.
Ich habe Amerika kennengelernt, wie wahrscheinlich kein anderer, der sich an dem Tag nicht in den Staaten befunden hat!!!

!!!GOD BLESS AMERICA!!!

Ich hoffe dieser Bericht war verstaendlich. Ich habe beim Schreiben gemerkt, wie schwer es schon ist auf Deutsch zu schreiben und bestimmte Dinge verstaendlich darzustellen und zu beschreiben.
Ich habe leider keine Ahnung, wie die ganze Sache in Germany gesehen wurde, ich bekomme hier hinten naehmlich so gut wie nix mehr mit.
Inzwischen geht es mir super, ich habe meinen Spass und bin ueber den Trubel so halbwegs drueber weg. Allerdings werde ich es wirklich nie vergessen, wie dieser Tag das Leben vieler Menschen umgedreht hat.





Imke Wehrend
c/o the Sullivan family
1802 Oakcrest Avenue
Roseville, MN 55113
USA

 

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