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Ralf Strobach schreibt am 18.04.2001

Hallo!
Seit Wochen schau ich ab und an mal rein, was Ihr so zur
Fußgängerzonen-Debatte in der Limmerstraße schreibt. Langsam weiß ich
leider nicht mehr, ob Euch bewußt ist, was Ihr schreibt. Egal was passiert,
es spricht auf jeden Fall schonmal gegen eine Fußgängerzone!
Der Bienenkorb macht zu. Klar: die Fußgängerzone ist schuld, andere Gründe
gibt es nicht. Hat sich vielleicht die Bevölkerungsstruktur in Linden hin
zu Menschen geändert, die andere Sachen kaufen, als der Bienenkorb anbot?
Also stimmte das Sortiment vielleicht nicht mehr? Ist die Konkurrenz zur
Innenstadt zu groß? Sind die Mieten in der Limmerstaße vielleicht zu hoch?
Solche Fragen erörtert Ihr leider gar nicht erst lange, denn es steht ja
schon fest: Die Fußgängerzone ist schuld! Vor rund 10 Jahren hat sich der
Bienenkorb wesentlich verkleinert, war daran auch bereits die Fußgängerzone
schuld?
Der Grilltreff hat Umsatzeinbußen! Klar die Fußgängerzone ist schuld! War
da nicht noch etwas im Herbst letzten Jahres? BSE, Maul- und Klauenseuche,
Antibiotika im Fleisch, wenn ich erinnern darf. Die Umsätze bei Rindfleisch
und Fleisch insgesamt gingen in den Keller. Aber ein sinkender Umsatz beim
Grilltreff kann daran nicht liegen, denn daran muß ja die Fußgängerzone
schuld sein.
Als Beweis der negativen Auswirkungen einer Fußgängerzone stellt Ihr fest,
dass im hinteren Teil der Limmerstraße zum Freizeitheim hin kein Laden
zugemacht hat, sehr wohl aber im vorderen Teil, wo die Zone eingerichtet
werden soll. Dumm nur, dass die von Euch erwähnten Läden eben nicht in den
seit Jahren bestehenden Teilfußgängerzonen liegen, sondern in dem Bereich
der seit Jahren hervorragend mit dem Auto zu erreichen ist.
Und: Text und Töne z.B. ist nicht wegen der Fußgängerzone umgezogen,
sondern weil sie so zögerlich eingerichtet wird!
Und noch an einer Stelle kneift die Argumentation: Die von der Stadt im
Herbst eingerichtete notdürftig beschilderte Fußgägerzone habe angeblich
Umsatzeinbußen um die 40% für die Geschäftsleute gebracht. Aber
gleichzeitig habe sich sowieso keiner dran gehalten. Da müßtet Ihr Euch und
auch die Geschäftsleute schon für eine Argumentationslinie entscheiden:
Wenn sich keiner dran hält kann es keine Umsatzeinbußen geben, und wenn es
Umsatzeinbußen gegeben hat, müßten sich ja alle dran gehalten haben. Also
bitte noch mal überdenken!

Wie Ihr beklagt, schließen viele Geschäfte. Das ist bedauerlich, oder auch
tragisch, aber an der Fußgägerzone liegt das mit Sicherheit nicht.
Schließlich können bis heute alle Geschäfte supergut mit dem Auto erreicht
werden. Nein, das liegt eher daran, dass die Mieten unverhältnismäßig hoch
sind und dass die Aufenthaltsqualität in der Limmerstaße schlicht mies ist.
Zu recht haben sich viele Geschäftsleute über die lange Umbauphase
geärgert. Doch nun sind die Bürgersteige schmaler als vorher, so dass man
teilweise, zumal mit Kinderwagen, nicht aneinander vorbei kommt. Da ist die
Fußgängerzone die Chance für die Geschäftsleute und den Stadtteil
insgesamt, die Limmerstraße wieder zu einer Straße mit Leben zu machen. Nur
bei hoher Aufenthaltsqualität, beim Entlangschlendern, beim Spazierengehen
entdeckt man Sachen in den Schaufenstern. Eine lebendige Straße benötigt
Platz zum Stehenbleiben, zum Klönen. Wo gibt es das jetzt, wo die
Limmerstrße zugeparkt ist? Eine Fußgängerzone wird für die Geschäftsleute
klare Vorteile haben. Schade nur, dass Ihr und leider auch die Mehrheit der
Geschäftsleute Angst vor der Chance habt.
Dass nun Geschäftsleute gegen die Fußgängerzone klagen wollen ist nun
völlig unbegreiflich. Eine Bürgerbefragung im Stadtteil spricht sich fast
mit 2/3-Mehrheit für eine Fußgängerzone aus und Geschäftsleute klagen gegen
den deutlichen Willen ihrer Kunden. Das muß man erstmal verstehen. Unter
Kundenorientierung verstehe ich etwas anderes. Warum überlegen sich die
Geschäftsleute kein Fest oder so etwas?
Sorry, aber ich habe keine Lust mit Kind und Kinderwagen zwischen parkenden
Autos bummeln zu gehen. Dass mache ich dann doch lieber in der Innenstadt,
da kann ich meinen kleinen Sohn auch mal zwei Meter laufen lassen, ohne
Angst haben zu müssen, dass er beim einparken angefahren wird.
Nur wenn Linden nicht mal das mehr bietet, muß man sich nicht wundern, wenn
Familien mit Kindern aus Linden wegziehen.
Ralf Strobach
 

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Klaus Öllerer am 29.04.2001:

Hallo Herr Strobach,

zunächst einmal eine Richtigstellung:
Es wurde hier nicht behauptet, daß bei Bienenkorb, Grill Treff und bei Anderen die Fußgängerzone die einzige oder alleinige Ursache von Umsatzrückgängen ist. Es wurde und wird in den entsprechenden Beiträgen geschrieben, daß z.B. das textile Umfeld, die Zusammensetzung der Bevölkerung (Bienenkorb) sich verändert hat und beim Grilltreff wurde auch der langfristige Rückgang erwähnt ("Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker.")
Auch die mögliche Ursache überhöhter Mieten wird auf der Homepage erwähnt. Die überhöhten Mieten wurden übrigens in Gesprächen öfters mit einer hohen Erwartungshaltung von Vermietern im Zusammenhang mit der Fußgängerzone gebracht.

Nach vielen Gesprächen, die ich selber führte oder von denen mir berichtet wurde, ergibt sich zur Zeit für mich folgendes Gesamtbild:
1. Die vorübergehende Einrichtung der Fußgängerzonen im Oktober/November 2000 hat bei vielen (den meisten ?) Geschäftsleuten schlagartig starke Umsatzrückgänge zur Folge gehabt. Auch nach der Aufhebung gingen die Umsätze nicht mehr auf das alte Niveau zurück.
Der Kunde ist möglicherweise ein scheues Reh, der, einmal "verscheucht", nicht so schnell wieder kommt.
2. Es gibt einen allgemeinen Rückgang bei vielen (den meisten ?) Geschäften in der Zeit vorher, seit ca. einem Jahr, der oft mit Umbaumaßnahmen in Verbindung gebracht wird.
3. Es gibt einen langfristigen Rückgang der Umsätze, der mit allgemeinen Entwicklungstrends, auch  von solchen im Stadtteil, zu tun hat.

Viele Fragen sind offen. Mir ist keine systematische Untersuchung bekannt. Wenn es so etwas denn gibt, würde ich sie gerne lesen.

Limmerstraße Ost und Limmerstraße West:
Das im Westteil kein Leerstand vorhanden ist und im Ostteil dagegen jede Menge ist eine Beobachtung, die derzeit einfach nachgeprüft werden kann. Ob das nur zufällig so ist oder systematisch durch die verschiedenen Fußgängerzonen bedingt ist, weiß ich nicht. Es kann sein, daß in einem halben Jahr die Situation anders aussieht. Es kann aber auch sein, daß sich der Trend längerfristig bestätigt.

Kann es vielleicht sein, daß Sie den von Ihnen angeführten Fehler ("Die Fußgängerzone ist immer schuld.") im umgekehrten Sinne ("Die Fußgängerzone ist nie Schuld.") selber begehen ?

Wenn es so ist, daß die Fußgängerzone die Chancen für die Geschäftsleute gleich läßt oder erhöht (wie es immer wieder in den entsprechenden Veröffentlichungen stand), warum ist es denn so schwer die Geschäftsleute von den bisherigen Konzepten zu überzeugen ?
Irgendetwas stimmt hier nicht.
Meiner Ansicht nach sollten die Geschäftsleute eine Art Vetorecht haben.

Ich wünsche mir, daß wir viel miteinander diskutieren. Gerade, weil die Dinge oft komplexer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen, muß man ihnen etwas tiefer auf den Grund gehen.
Ich denke, daß diese Website, auch mit Ihrer Hilfe, einen Beitrag hierzu leisten kann.

Gruß
Klaus Öllerer

P.S. 1: Übrigens, die größte Gefahr droht Ihrem Sohn, wenn er in der Fußgängerzone spielt oder frei herumläuft. Denn die Stadtbahn hat bei 30 Km/H einen Notbremsweg von fast 12 m, ein Auto von weniger als der Hälfte. Während jetzt niemand auf der Straße spielt, weil ständig Autos fahren, kann es gut sein, daß eine in der Regel leere Straße als Spielfläche betrachtet wird.
Jedenfalls haben im Oktober/November 2000 schon einmal Erzieher und Ihre kleinen Kinder unverantwortlicherweise und auf spektakuläre Art das Spielen auf der Straße durchgeführt.

P.S. 2: Text und Töne ist wegen schlechter Umsätze an die Lister Meile gezogen. Auf keinen Fall erfolgte der Umzug, weil die Fußgängerzone nur zögerlich umgesetzt wurde.
 

Rolf Dieter Lorenz am 23.04.2001:

Sehr geehrter Herr Strobach !

Wenn die Limmerstraße endlich wieder eine unechte Fußgängerzone ist,dann können Sie ihren kleinen Sohn auch endlich ungehindert wieder zweiMeter allein laufen lassen !!! Direkt vor den nächsten Bus oder vor dienächste Straßenbahn, die weiterhin mit einer Ausnahmegenehmigung mit 30km/h statt wie sonst üblich mit 7 km/h durch die neue Fußgängerzone"brettern" dürfen. Eine Bremswegberechnung hat es ja im Forum schongegeben. Wer anderen in Sachen Argumentationskette Nachilfe erteilenwill, der sollte zuerst mal bei sich selbst anfangen.

Mit besten Grüßen

Rolf Dieter Lorenz

Park & Fight